GEORTET

Zeitraum: 
5. Mai 2018 - 23. Juli 2018

GEORTET

 

Wolfgang Severin-Iben                 Maler  Grafiker  Dichter 

 Lange Straße 10

18246 Bützow

 

Am 11. Februar 1949 wird Wolfgang Severin-Iben im bereits 1229 erstmalig urkundlich erwähnten mecklenburgischen Bützow geboren, der einstigen Hauptstadt des Bistums Schwerin, malerisch gelegen zwischen dem Flüsschen Warnow und dem Bützower See und mit seiner mittelalterlichen Architektur, den alten Gemäuern und dessen meist einfachen  Bewohnern - so auch seinen Platt sprechenden Großeltern und der  Geschichten aus Amerika erzählenden Tante Grete - prägend für das sensible, „sperrig-verträumte“ Kind mit  einer früh vorhandenen genauer Beobachtungsgabe. 

 

Die Schule übersteht der „kleine Weltenflüchter, dem der Gleichschritt in Kopf und Füßen nicht gelingen wollte“, in seinem „Nest der Träume“, die eine früh verinnerlichte Kunst des Erzählens sichtbar macht.

Severin-Iben bricht Regeln in der DDR, schrammt 1963 mit 14 Jahren am gefürchteten Jugendwerkhof vorbei, arbeitet u.a. auf einer Bauernstelle, als Eisenbahner, Anstreicher, Park- und Friedhofsgärtner, Rohrleger, beim Altstoffhandel… Er stemmt Gewichte, trainiert und kämpft bis 1974 im Boxring, doch den brutalen Punch schlägt er selbst nicht. Und er malt, ermutigt durch den Bützower, akademisch geschulten Maler Albert („Ali“) Martens (1923 -87), dem er 1992 die plattdeutsche Erzählung „Mien gauden Lihrmeister“ ( „Mein guter Lehrmeister“) widmet.

 

Wolfgang Severin-Iben bleibt unangepasst, unbequem. 1979/80 sitzt der Dreißigjährige wegen „Schändung“ der DDR-Staatsflagge ein: tragischerweise in der Bützower Justizvollzugsanstalt, in der sein geliebter Großvater, der 1981 stirbt, und auch sein Vater Wärter waren in schlimmen Zeiten und doch menschlich blieben. Das Schreiben wird für ihn zur Rettung hinter den vergitterten Fenstern. Und wieder ist es ein junger Justizbeamter, der ihm beisteht, seine erste Erzählung aufbewahrt.

 

Die Jahre bis zur „Wende“ sind geprägt von Bespitzelungen, Ausstellungsverboten (ausgenommen Kirchen und Schmuggelbilder in die BRD) und Kontrollen, aber ebenso Glück spendenden Stunden des Lesens - vorrangig deutscher und russischer Literatur. Und er malt - vor allem seine geliebte Heimatstadt – leer, trist, zerfallend und dennoch poetisch und tief zugewandt…

Mit der politischen Wende 1989 beginnt für Wolfgang Severin-Iben eine befreiende Zeit des Aufbruchs. Er reist, oft und ihn künstlerisch bereichernd mit seinen alten und neuen Maler- und Dichterfreunden wie Rainer Stuchlik, Dieter H. Lohse, Werner Richter. Er zeichnet, aquarelliert, schreibt Kurzgeschichten… so seine biografische Erzählung über seinen Freund, den Güstrower Maler und Zeichner Gotthard Böhme (1926-200??) “Wird schon werden, Herr Künstler…“

Reizvolle Aquarell- und Zeichnungs-Serien entstehen auf gemeinsamen Hiddensee-Reisen ebenso wie kraftvolle, stets eigenwillige Ölbilder von seiner auch kulturell aufblühenden Heimatstadt Bützow, wo sich -  auch infolge seiner Aktivitäten - 1993 der viel beachtete Bützower Kunstverein etabliert. Er lernt den im März 2018 verstorbenen herausragenden Maler, Zeichner und Autor Joachim John als Freund und kritischen Begleiter kennen, was sich auch in seiner künstlerischen Arbeit niederschlägt.

Seine Bilder hängen nun auch in Galerien, Museen. Literarische Veröffentlichungen – in der DDR nur in der Mecklenburgischen Kirchenzeitung möglich - finden sich seit 1990 in zahlreichen Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen.

Die Euphorie der 90er Jahre hat sich gelegt, dem kritischen Blick des Künstlers entgehen die neuen Verwerfungen hinter knallbunten, oft schon wieder toten Hausfassaden nicht. Viele seiner Generation, aber auch die wenigen Jungen, die trotzig bleiben, werden „Wendeverlierer“. Wolfgang Severin-Iben „malt sie seit Jahren, seine ‚Straßenbrüder‘, gibt ihnen und generell am Rande der Gesellschaft Lebenden liebevoll Gesicht und Geschichte.

Seine Bilder von Bützow nach dem verheerenden Tornado am 5. Mai 2016 zeigen seine Erschütterung, seine Liebe auch zu seinem Heimatort.

 

Ein Freund beschreibt seine Haltung mit den Sätzen:

„Der Stoff seiner Kunst ist die um Liebe werbende Erinnerung. Sämtliche Erzählungen, Gedichte und Bilder beruhen auf Zuneigung und präziser Beobachtung.“