125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop - SEHNSUCHT MEER

Zeitraum: 
20. Mai 2017 - 8. August 2017

125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop

 

 

SEHNSUCHT MEER

Löber I Puttnies-Munk I Holfeld I Zschunke

 

Ahrenshoop als Künstlerort hat in den letzten Jahrzehnten bei prägnanten Ausstellungen immer wieder und mit Recht den Fokus auf die „alten Meister“, vor allem die erste Generation der Künstlerkolonie, also auf Maler, gelegt. Das ist das „Tafelsilber“ der Künstlerkolonie Ahrenshoop, dem der Ort neben der einzigartigen Lage zwischen Meer und Bodden oder gerade deswegen seine heutige Bekanntheit als Künstlerort auch über die Grenzen Deutschlands hinaus ursächlich verdankt. Viele Künstler folgten. Die meisten davon aber waren und sind bis in die Gegenwart eher „Malgäste“.

 

Doch es gab sie, die Künstler, die hier lebten und wirkten, teilweise unter materiell extrem schwierigen Bedingungen.

 

Schwerpunkt der Gemeinschaftsausstellung im Dornenhaus anlässlich des 125jährigen Jubiläums der Künstlerkolonie Ahrenshoop sind deshalb die beiden Althäger Künstlerfamilien Löber und Puttnies-Munk, die bis in die Gegenwart hinein überwiegend hier bzw. im Umfeld leben und künstlerisch – vor allem als Keramiker, aber auch als Fotograf, Metallgestalter und Grafiker - tätig sind.

 So lernen sich 1929 an der Burg Giebichenstein, Halle der junge Dornburger Töpfer, Gestalter für KPM und Meisterschüler von Gerhard Marcks, der Bildhauer Wilhelm Löber (1903-1981) und seine spätere Frau Frida Lüttich (1910-1989), die ebenfalls an der Kunstgewerbeschule in Halle Malerei (Erwin Hahs). Grafik (Charles Crodel), Akt (Gerhard Marcks) und Email (Lili Schulz) studiert, kennen. Sie heiraten 1930 und ziehen 1932 nach Althagen, wo Wilhelms Eltern ein Sommerhaus in Hafennähe haben, das seine Mutter Helene (geb. Reisner), eine ehem. Zeichenlehrerin, die bereits als Studentin in Ahrenshoop/Althagen begeistert weilt und zeichnet, schon seit 1911 mit ihrem Bruder besitzt und in dem sie mit Wilhelms Vater, Pastor Ernst Löber (im Ruhestand) nunmehr lebt. Die Löber-Familie weilte oft hier am Meer, eine frühzeitige Prägung des Sohnes Wilhelm. 1935 zieht die junge Familie mit den Kindern Ella und Ernst in die Büdnerei 65. Schwer sind die Kriegsjahre. Wilhelm Löber ist 5 Jahre Soldat. Die Kriegserlebnisse prägen ihn ebenso wie das ständige Ringen um Aufträge, um letztendlich 8 Kinder (5 davon werden Keramiker, der älteste Sohn Bildhauer!) zu ernähren. Frida malt und zeichnet, wenn sie Zeit dafür hat!

Die Rückbesinnung auf die Keramik und damit eine zumindest erträgliche neue Einnahmequelle ist insofern eine logische Konsequenz, aber auch Zeichen kreativer Auseinandersetzungen. Die heute weit über die Grenzen hinaus bekannte Fischlandkeramik, 1955 gemeinsam mit Bärbel und Arnold Klünder begonnen, entsteht - anfänglich noch frei geformt. 1967 – also vor nunmehr 50 Jahren – übernimmt Sohn Friedemann, der 1960 in Heiligendamm sein Keramikstudium abschließt und bereits jahrelange Erfahrungen in der elterlichen Werkstatt besitzt, deren Leitung, zumal Wilhelm Löber die Familie verlässt und in Juliusruh a. Rügen neben seiner Arbeit als Bildhauer die Rügen-Keramik kreiert.

Die heute typisch dekorierte schlichte Gebrauchskeramik in aufwendiger Ritz-/Maltechnik und ab da scheibengedreht entsteht, stark geprägt von der älteren, unermüdlich tätigen Schwester Ella. Friedemann Löbers erster Lehrling ist seine Schwester Wilfriede, heutige Maaß. Schwester Leni arbeitet ebenfalls in freien Zeiten in der überaus kreativen Werkstatt, in der zahlreiche Keramiker/Innen erfolgreich lernen, u.a. Michael Goll, Roswitha Weihermüller, Regina Wellmer, Peter Beyer, Philine Spieß … Heute existiert nahezu eine ganze Keramiker-Dynastie an Löberkindern und -enkeln, die eine Familientradition vielfältig lebendig erhalten: eine künstlerische Perlenschnur zwischen den Generationen im Künstlerort Ahrenshoop!

Diese wird noch einmal interessant verwoben durch die Heirat von Tine, der ältesten, malerisch begabten Tochter der Grafikerin und Malerin Dagmar Puttnies-Munk, mit dem Keramiker Jochen Löber, dem ältesten Sohn des Bildhauers Ernst Löber.

 

Dagmar Puttnies-Munk,1937 in Vorpommern geboren, achtjährig und vaterlos mit einem Flüchtlingstreck in Saal „gestrandet“, wird als vierfache Mutter über 30 Jahre als Grafikerin und Gestalterin am Meeresmuseum (heute Deutsches Meeresmuseum) in Stralsund tätig sein, zunehmend auch auf dem Gebiet der freien Malerei und Grafik. Zum Atelier des Malers Prof. Tom Beyer hat sie freien Zugang, hält freundschaftliche Beziehungen zu den Malerinnen Edith Dettmann, Elisabeth Sittig und zur Althäger Malerin Frida Löber, wo sie oft weilt. Auch Tongefäße von Freunden und Kindern werden mit hohem Wiedererkennungseffekt bemalt. So prägt sie z. B. die Rügener Werkstatt des bekannten Keramikers Peter Dolacinski mit.

Das Fischland ist ihr Sehnsuchtsort.1989 zieht sie nach Althagen, in unmittelbare Nähe der Löbers. Ihr reizvoll-freies malerisches Hauptwerk entsteht hier – oft überwältigende Naturstimmungen wiedergebend und ihren geschärften Blick für das Schlichte, Einfache,  Wesentliche. Die streitbare und doch so sensible Künstlerin, die bislang letzte große Malerin des Künstlerortes, stirbt 2008.

 

Den beiden Künstlerfamilien, die in Ahrenshoop lebten und wirkten, gegenübergestellt werden in der Ausstellung ebenfalls zwei Maler/Grafiker, die in Tradition ihrer künstlerischen „Vorreiter“ im Künstlerort zwar nicht ihren Lebensmittelpunkt hatten, aber - magisch angezogen von der Landschaft zwischen Meer und Bodden -  immer wieder Werke vor Ort schufen.

Der bis zu seinem Tode 2009 in Bad Sulza/Thür. lebende Maler, Grafiker und Restaurator Karl Holfeld, geboren 1921 in Nordböhmen, studiert mit ausgezeichneten Ergebnissen an den Kunsthochschulen in Weimar und Dresden. Ab 1953 freischaffend tätig, erhält er dennoch kaum öffentliche Aufträge. Seine freie Kunstauffassung gilt als „spätbürgerlich dekadent“. Bereits Anfang der 50er Jahre weilt er als Malgast im Ahrenshooper Künstlerhaus Lucas. Er selbst fühlt sich stets als „Urenkel der Künstlerkolonie Ahrenshoop“, hält sich immer wieder in teils monatelangen Arbeitsaufenthalten auf seinem geliebten Fischland/Darss auf. So restaurierte er zwischen 1985-1989 den spätbarocken Altar und die Taufkapelle der Seemannskirche Prerow. Karl Holfeld hinterlässt ein umfangreiches, vielfältiges Oeuvre von hoher Qualität. Gezeigt werden vorrangig leichte, zeichnerisch durchdrungene Landschaften (Aquarelle, Ölbilder, Grafik).

 

Walter Zschunke, geboren 1913 in Kottmarsdorf/OL, wächst unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen in Ebersbach auf. Im Kampf gegen den aufstrebenden Faschismus sitzt er eineinhalb Jahre im Zuchthaus ein, von 1939-1945 wird er zum Kriegsdienst gezwungen. Seit Jugendtagen widmet er sich der Malerei, doch erst nach Kriegsende kann er die Käthe-Kollwitz-Kunstschule Berlin in Puttbus auf Rügen absolvieren. Prägend für seinen Malstil wird u.a. sein Lehrer, Prof. Tom Beyer (1901-1970). 1950/51 leitet er die „Grafischen Landeswerkstätten Schwerin“ und folgt anschließend als Nachfolger von Prof. Wittkugel der Berufung an die „Berliner Grafischen Werkstätten“. Bereits 1952 kehrt er als freischaffender Maler und Grafiker nach Schwerin zurück. Prof. Zschunke erfährt in den Folgejahren höchste nationale und internationale Ehrungen und Anerkennung. Ab 1968 wieder in Berlin, stirbt er dort 1985. Speziell in den 60iger Jahren und in künstlerisch-kreativer Auseinandersetzung mit der „Neuen Sachlichkeit“ entstehen bei zahlreichen Arbeitsaufenthalten zwischen Fischland/Darss und Rügen Werke von hoher ästhetischer Qualität, die auch vom Leben der einfachen Menschen am Meer Zeugnis ablegen - für diese Ausstellung ausgewählt.

 

Die Ausstellung zeigt bei unterschiedlichsten Biografien und Lebensvorstellungen der gezeigten Künstler und ihrer Werke eine fundamentale Übereinstimmung: die Liebe zum Kulturraum Ostsee und da speziell zum Fischland/Darss.

Walter Gropius formulierte im Bauhaus-Manifest: „Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers…“ Treffender kann die „Verbund-“Ausstellung im Dornenhaus nicht charakterisiert werden.


Wilhelm Löber  (1903-1981)

Bildhauer und Keramiker der 3. Generation in der Künstlerkolonie Ahrenshoop

 

„Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers…“

Walter Gropius, Zitat aus dem Bauhaus-Manifest

 

26. 02.1903      wird Wilhelm Löber in Neidhartshausen /Thür. als Sohn des Pfarrers Ernst L. u. der Zeichenlehrerin Helene L.-Reisner geboren. Abitur in Ilmenau.

1923-1930         Teils mittellose Studienreisen nach Italien, Island, Paris, Finnland, Leningrad, Griechenland, Albanien, bis 1929 Abendschüler an verschiedenen Kunstschulen.

1923-1926         Lehre in der Dornburger Töpferwerkstatt des Staatl. Bauhauses Weimar (Keram. Fachklasse unter O. Lindig), Gesellenprüfung Dez. 1926. Bereits da intensive Zusammenarbeit mit dem Leiter der Werkstätten, Prof. Gerhard Marcks u.Hartwig sowie der Keramikern M. Friedlaender, die 1925 mit G. Marcks an die Burg Giebichenstein geht.

1927-1929         Als Bildhauer u. Gestalter an der Keram. Fachklasse der Staatl. Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) bei O. Gothe tätig. Herausragend die vom Bauhaus geprägte Materialgerechtigkeit, kombiniert mit sehr hohem Qualitätsanspruch, so z. B. die kriegszerstörte(?) Serie von Porzellanen zur Herstellung von diesem Werkstoff u. die noch heute weltweit vertriebene „Festliche Schale“ von 1929, die stilbildend für die gesamte Designrichtung wird. Vertreten in Porzellanausstellungen u. a. in Monza u. Barcelona sowie mit Holzarbeiten in der Juryfreien Kunstausstellung 1927 u. der Akademieausstellung Berlin.

1930                 Eheschließung mit der Malerin Frida Lüttich, die ebenfalls an der Burg studiert.

1929 -1932       Studium in der Klasse für Plastik an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein, Halle. Meisterschüler von Prof. G. Marcks, wo er mit sämtlichen Bildhauertechniken u. Materialien vertraut gemacht wird. Weitere Entwürfe u. serielle Ausführungen für KPM Berlin bis 1933, auch mit M. Friedlaender, zu der er mehr als Freundschaft empfindet.

ab 1932            selbständige Arbeit als Bildhauer und Keramiker in Althagen u. Berlin (bis 1939). G. Marcks wohnt seit seiner durch die Nazis veranlassten Entlassung in Niehagen in seinem Sommerhaus. Menschliche u. künstlerische Nähe bleibt, wie z. B: der von G. Marcks gefertigte Bronzeguss des Portraits des nunmehr Wustrower Pfarrers Ernst Löber von 1945 dokumentiert.

1932                 Einweihung des Goethebrunnens in Ilmenau am 28. 8.1932, Verbretterung des Kunstwerkes für 12 Jahre durch die Nationalsozialisten nur Wochen danach!

1933                 In der Gurlitt-Ausstellung in Berlin werden 35 sehr beachtete Arbeiten des jungen Künstlers gezeigt, darunter die Porzellanarbeitergruppen in Porzellan, die berührenden „Schwestern“ in Holz, das Silberköpfchen (Frida) u. die Büste O. Enkings, von Frida 15 Kupferplatten.

1937                 Abriss seines 1931 geschaffenen Denkmals Walters v. der Vogelweide in Halle durch die Nationalsozialisten! 

1939-1945         Kriegsdienst, 5 Jahre Soldat, 2 schwere Verwundungen. Die Kriegserlebnisse hinterlassen tiefe Spuren. Arbeiten wie „Die Fliehende“ entstehen.

1947-1952         Um die inzwischen 8-köpfige Familie zu ernähren, geht Wilhelm L. mit der Familie nach Empfertshausen/Rhön, wo er als Leiter der Fachklasse für Holzbildhauerei an der dort wiedereröffneten Staatl. Schnitzschule arbeitet. Zahlreiche Holzplastiken, wie die „Daphne“, u. stilistisch sichere Tierplastiken entstehen. Direkt u. geradlinig legt er sich – wie so oft -  mit den Institutionen an, auch politisch. Die Meisterklasse wird daraufhin aufgelöst. Über einen kurzen Lehrauftrag in Wismar kehrt die Großfamilie nach Althagen zurück.

1952-1966         Wilhelm L. arbeitet unermüdlich, um die nunmehr 8 Kinder zu ernähren. Die Aufträge reichen nicht, trotz Großaufträgen für die Moschusochsengruppe im Rostocker Zoo 1961 u. 1963 für den Tierpark Berlin (Keramiken mit Bronzehörnern) oder dem Barther Fischbrunnen von 1959 (Bronze/roter Granit). Beteiligung an Kunstausstellungen in Dresden, Rostock, Schwerin. Mit dem Maler A. Klünder wird die Idee der „Fischlandkeramik“ geboren, 1955 der erste Ofen gebaut. Baldige Trennung der beiden Künstler. Frida arbeitet kreativ und frei. Es entstehen reizvolle Keramiken, aber auch Souvenirs, die den Lebensunterhalt absichern helfen. (Mit der Übernahme der Werkstatt 1967 durch Sohn Friedemann u. der Einrichtung von Töpferscheiben werden schlichte, typisch dekorierte Gebrauchsformen, geprägt von Tochter Ella, entwickelt.)

1966                 Wilhelm L. verlässt die Familie nach 36 Jahren u. zieht nach Juliusruh/Rügen, wo mit der Rügen-Keramik, die bald überwiegend von seiner 2. Frau betreut wird, die erste u. einzige Keramikwerkstatt der Insel entsteht. So kann Wilhelm L. wieder intensiver als Bildhauer arbeiten. Zahlreiche Plastiken in Keramik (wie die Bremer Stadtmusikanten), Treibarbeiten in Kupfer u. Bronze entstehen, darunter zahlreiche Kinder- u. reizvolle Tierplastiken, auch der nach der Wende! entfernte Fischbrunnen neben seinem ehem. Wohnhaus.

1981                 verstirbt der vielseitige Künstler am 28. 07. in Juliusruh/Rügen. Erste große Werkschau im Dornenhaus Ahrenshoop 2013 (mit Frida Löber).

 

Frida Löber (1910-89)      

Malerin der 3. Generation in der Künstlerkolonie Ahrenshoop

 

„Deine starke künstlerische Begabung

 und die Lust und Neugier – was ja nichts

 anderes ist als die Gier nach Neuem…

 haben Dich in den Gewerken umgetrieben,

um etwas zu erfahren von der

Ausdrucksfähigkeit der Materialien

und diese zu probieren.“ 

Jo Jastram, 2004

 

31.07.1910

 

1916

 

 

um 1926

wird Frida Lüttich in Höhnstedt bei Eisleben als 4. von sieben Kindern geboren, aufgewachsen in Halle/Saale.

Diphtherieerkrankung, seither ist das Gehör stark eingeschränkt, ihre „emotionale Wachheit“ aber dadurch gestärkt.

Intensive Zuwendung zum Zeichnen u. Malen, wie Frühwerke eindrucksvoll belegen.

1927-1932

 

 

 

1930

 

1931

 

1932

 

 

 

 

 

1933

 

Studium der Malerei (Erwin Hahs), Grafik (Charles Crodel) u. Akt (Gerhard Marcks) sowie später Email (Lili Schulz) an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein.

Eheschließung mit dem Bildhauer und Bauhaus-Töpfer Wilhelm Löber, einem Gerd-Marcks-Meisterschüler.

Beteiligung an der Ausstellung „Hahs und sein Kreis“

im Halleschen Kunstverein.

Ella, die hoch begabte ältere Schwester u. Förderin Fridas, stirbt bei der Geburt des ersten Kindes. Ein prägendes Ereignis für Frida, die mit ihrem Mann nach Althagen an die Ostsee zu den Schwiegereltern in die damalige Büdnerei 22 zieht. Wilhelms Vater ist dort Pastor in Wustrow; G. Marcks besitzt in Niehagen ein Sommerhaus.

Gedächtnisausstellung für die Schwester Ella in der Berliner Galerie Gurlitt.

1935

 

 

 

 

 

 

 

1938 -1945

 

 

Das Ehepaar Löber zieht mit den Kindern Ella (geb. 1933) und Ernst (geb. 1934) in das eigene Haus (Büdnerei 65) in Althagen. Weitere Kinder werden 1937 (Leni), 1938 (Hanno), 1939 (Friedemann),

1945 (Svanhild), 1951 (Wilfriede), 1953 (Reinhart) geboren.

 Frida bewirbt sich für einen Semesterkurs der Malerei in Berlin, wird abgelehnt.

Wilhelm L. ist im Kriegsdienst. Seine Lebenshaltung wird dadurch entscheidend beeinflusst. Für Frida Löbers malerisches Werk ist es eine intensive, da geburtenfreie Zeit.

1947-1952

Die Familie siedelt nach Empfertshausen bzw. Zella /Rhön um, da Wilhelm Löber dort an der Staatlichen Schnitzschule ein Lehramt innehat. Eine 8-köpfige Familie ist zu versorgen. Frida stellt in Bad Salzungen und Dermbach/Rhön aus.

1952

Rückkehr nach Althagen.

1953

Ausstellungsbeteiligung im Kunstkaten Ahrenshoop.

ab 1955

Die spätere Fischland-Keramik wird zusätzliche und zunehmende Einnahmequelle, zumal Wilhelm L. sie 1966 nach 36 Ehejahren verlässt u. nach Rügen zieht.

1964

 Erneute Ausstellung im Kunstkaten Ahrenshoop .

ab 1967

 

 

 

 

1973

 

 

1975

1980

Sohn Friedemann übernimmt die Leitung der Werkstatt. Die vorab frei gebaute Keramik wird zur scheibengedrehten Fischlandkeramik. Frida L. malt u. zeichnet noch bis 1986 und schafft frei gebaute, vitale, phantasievolle keramische Werke.

Erster Schlaganfall mit rechtsseitiger Lähmung. Sie gibt sich nicht auf, resigniert nie und arbeitet linkshändig als Malerin und Keramikerin kreativ weiter.

Ausstellung von 29 Papierarbeiten der Künstlerin.

Ausstellung in der Studio-Galerie in Berlin mit ihren Kindern - dem Bildhauer Ernst und den Keramikern Leni, Friedemann u. Wilfriede

1983                                      Ausstellung im Kunstkaten Ahrenshoop gemeinsam mit Doris Oberländer.

1986                                      Zweiter starker Schlaganfall, der sie weiter körperlich einschränkt. Dennoch entsteht noch eine Serie abstrakter Kreide- u. Tuschezeichnungen.

1988                                      Ausstellung mit Sohn Ernst u. Tilman Schulze in Leipzig.

16.03.1989                           Betreut von der Familie, stirbt Frida Löber in ihrem Haus in Althagen.

1991                                      Wenige Arbeiten gezeigt im Kunstkaten Ahrenshoop

2001                                      Wenige Arbeiten gezeigt im Dünenhaus Ahrenshoop.

2002                                      Wenige Arbeiten gezeigt in der Strandhalle Ahrenshoop.

2004                                      Ausstellung des malerischen Werkes im Kunstkaten u. der keramischen Objekte im Dornenhaus.

2010                                      Ausstellung erstmalig gezeigter Bilder des malerischen Werkes zum 100. Geburtstag im Dornenhaus 

 

 

 

 „Ich fühle mich als Urenkel der Künstlerkolonie“

 

Karl Holfeld

1921 wird Karl Holfeld am 7. Mai in Georgswalde/Nordböhmen in bescheidenen Verhältnissen geboren. Trotz frühzeitiger Erkennung seiner Begabung ist aus finanziellen Gründen ein Kunststudium deshalb zunächst nicht möglich.


1936 - 1944 Lehr- und Gehilfenzeit zum Dekorationsmaler;               Arbeitsdienst und Infanterist bei der Wehrmacht; bis er bei Dünen in amerikanische Gefangenschaft gerät. In Frankreich interniert, beginnt er mit der                                                          künstlerischen Auseinandersetzung seiner                     Erlebnisse. Nach der Entlassung Aufenthalte in Dresden und  Bad Sulza/Thür.

           


1949 – 1953                    Studium an den Kunsthochschulen in Weimar und Dresden u. A.  bei Prof. Martin Domke sowie den Professoren Otto Herbig und Hans Grundig.  Er wird Zeuge des Formalismus-Streites 1950 in Weimar.


Ab 1953                                             in Bad Sulza lebend, ist Karl Holfeld freischaffend als Maler, Grafiker und Restaurator tätig. Er erhält kaum öffentliche Aufträge, da seine freie         Kunstauffassung in den 60-er Jahren der DDR als                   „spätbürgerlich dekadent“ galt.


1950-er Jahre Malgast in Ahrenshoop im Haus Lucas.


bis in die 1990-er Jahre                     Immer wiederkehrende Aufenthalte als „Malgast“ auf dem Fischland/Darß, wo wunderbar leichte  Landschaftsbilder neben abstrakten Kompositionen  und grafischen Blättern von hoher Qualität auch zu religiösen Themen entstehen.


1985 – 1989                      in fünfjähriger Sommerarbeit u.a. Restaurierung des spätbarocken Altars und der Taufkapelle der Prerower Seemannskirche.


2009                                Der Künstler stirbt nach schwerer Krankheit in Bad Sulza/Thür.    



Seit 1983                            Ausstellungen in Weimar, Jena, Eisenach, Leipzig, Sömmerda, Sondershausen, Apolda (2001),  Seemannskirche Prerow (1997), Kunstkaten, Ahrenshoop (1999), Wieck a. Darß (2001), Dornenhaus, Ahrenshoop (2008)

 

 

 

Walter Zschunke (1913-85)

 

„Mit Enthusiasmus und unumstößlicher Willensstärke stellte sich mein Vater erfolgreich zu jener Zeit nicht selbstverständlichen Herausforderungen.“

Dieter Zschunke

 

 

1913               wird Walter Zschunke am 4.2. im oberlausitzer Kottmarsdorf geboren, wächst unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen im benachbarten Ebersbach auf - seit der Kindheit malend und zeichnend. Infolge aktiven Widerstandes gegen den aufstrebenden Faschismus sitzt er eineinhalb Jahre im Zuchthaus ein. Nach der Haftentlassung autodidaktisches Studium.

 

1939-45         erzwungener Kriegsdienst.

 

1947-49        absolviert er die Käthe-Kollwitz-Kunstschule Berlin in Puttbus /Rügen.  Prägend für seinen Malstil wird sein Lehrer Prof. Tom Beyer (1901-79).

 

1951/52         leitet Walter Zschunke die Grafischen Werkstätten in Schwerin.

 

1952-1??       folgt er als Nachfolger von Prof. Wittkugel der Berufung an die Berliner  Grafischen Werkstätten.               

 

Seit 1953       arbeitet er erfolgreich als freischaffender Maler und Grafiker erneut in Schwerin. Der Künstler erfährt in den Folgejahren höchste nationale und  internationale Ehrungen und Anerkennungen; so erhält er als  ausstellender Künstler anlässlich der 3. Deutschen Kunstausstellung in Dresden den „Fritz Reuter-Kunstpreis.“ Ausstellungen u.a. in Moskau, Leipzig, Halle, München, Berlin, Lübeck, Schwerin, Hamburg, Rostock folgen.

 

1960-er          beschäftigt sich der Maler erneut in künstlerisch-kreativer               

Jahre             Auseinandersetzung mit der Neuen Sachlichkeit. Bei zahlreichen Arbeitsaufenthalten zwischen Fischland/Darß und der Insel Rügen entstehen malerische Werke von hoher ästhetischer Qualität, die oft auch vom Leben der einfachen Menschen am Meer Zeugnis ablegen.

 

1968               geht er zurück nach Berlin, wo er im Zentralverband der Bildenden Künstler arbeitet. Zahlreiche nationale und internationale Kunstausstellungen folgen.

 

1985               stirbt Walter Zschunke nach schwerer Krankheit in Berlin. Zahlreiche Werke befinden sich neben dem Privatbesitz u.a. in Museen in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Magdeburg und Berlin.        

 

ZUM 80. GEBURTSTAG 2017             

Dagmar Puttnies–Munk

(1937 – 2008)

Malerin   Grafikerin

 

 „In ihren Bildern ist uns eine Welt erlebbar gemacht, die zu pflegen und aufzuheben sie unspekulativ und unsentimental an uns als leisen Auftrag weitergibt.“

Jo Jastram Oktober 2005 über Dagmar Puttnies-Munk.

 

 

1937               geboren in Driesen / Vordamm in Hinterpommern.

 

1945               gelangt sie mit dem Flüchtlingstreck mit Mutter, Großmutter und Schwestern nach Saal am Bodden.

 

Schulbesuch in Saal und Ribnitz-Damgarten.

 

Lehrabschluss als Gebrauchswerberin in Schwerin.

 

Lehrmeisterabschluss für Werbung und Gestaltung.

 

1959-1966    Geburt ihrer vier Kinder.

 

1967-1997    Tätigkeit als Grafikerin und Gestalterin am Meeresmuseum Stralsund

(heute Deutsches Meeresmuseum).

Trotz vielfältiger Anforderungen in Beruf und Familie zunehmende Hinwendung zur Malerei und Grafik.

 

Ausgedehnte Wanderungen auf den Inseln Rügen, Hiddensee und der Stralsunder Umgebung und immer wieder skizzieren, malen und zeichnen.

 

Malerei auf Keramik in den Werkstätten von Freunden und Kindern.

Sie war prägend für die Rügener Fayencen in der Werkstatt von Peter Dolacinski.

 

Menschlich und künstlerisch prägende Reisen nach Sibirien und Plovdiv / Bulgarien.

 

Schülerin von Prof. Tom Beyer.

 

Freundschaftliche Beziehungen zu den Malerinnen Edith Dettmann, Elisabeth Sittig, Frida Löber.

 

1989               Umzug nach Althagen / Ahrenshoop. Hier entsteht das Hauptwerk der streitbaren und gleichzeitig so sensiblen Malerin.

 

2008               stirbt Dagmar Puttnies-Munk nach langer Krankheit in Stralsund. Als Vermächtnis hinterlässt sie ein umfangreiches malerisches und grafisches Œuvre.

Ausstellungen u. a. in der Galerie im Scheelehaus, Stralsund; dem Kunstkaten (1990) und der Galerie im Dornenhaus (2005/2012), Ahrenshoop; in der Galerie im Kloster -  Kunstverein Ribnitz-Damgarten (2007) und im Deutschen Meeresmuseum (2009), Stralsund.

Ausstellungsbeteiligungen u.a. in Worpswede, Bremen, Schwerin, jährlich 1985 – 1989 in der Orangerie in Puttbus, Barnstorf; Osterhanige u. Vellinge – Schweden; Christchurch / Dorset – England; Brüssel – Belgien.